Zeichen und Wunder

Irgendwie ist es schon traurig, welches Bild man in unserem Beruf von den Menschen bekommt. Besonders wenn man mitten in der Nacht zu einem 19 jährigem mit einer Verletzung auf einen Spielplatz in eine nicht so dolle Wohngegend gerufen wird, ahnt man nichts Gutes.

Die Erfahrung lässt uns schon auf der Anfahrt über die Promillewerte der Anwesenden spekulieren und eigentlich haben wir schon kurz nach dem Lesen der Einsatzmeldung keinen Bock auf diesen Einsatz. Die Nacht zuvor sind wir bei zwei verschiedenen Einsätzen mit der gleichen Kundschaft bepöbelt worden. Auch Schläge wurden uns mehrfach angeboten.

Beim Eintreffen werden wir von einem Jugendlichen empfangen, welcher erstaunlich gerade steht.
Ich öffne das Fenster:

“Guten Abend, würden Sie bitte dahinten halten das ist am dichtesten dran, ich bringe Sie dann in den Park zu meinem Freund”

Wow! Was war das denn? Liege ich noch im Bett und träume? Zur Sicherheit lasse ich mich kneifen. Dieser Bitte kommt mein Kollege gerne nach und verpasst mit grinsend einen blauen Fleck. Aua – ich bin wach!

Wir werden auf einen im dunklen liegenden Spielplatz geführt. Es sind ca. 10 Jugendliche im Alter zwischen ca. 17 bis 19 anwesend.

“Entschuldigen Sie bitte die späte Störung aber wir bekommen ihn nicht alleine ohne starke Schmerzen ins Auto.”

Oh das eben war kein Ausrutscher. Die sind hier alle so… so freundlich! Wir sind massiv beeindruckt!

Mit tatkräftiger Unterstützung der Anwesenden wird der Patient ohne große Umstände auf die Trage gelegt. Die Gruppe räumt ihren Müll zusammen und sucht eine noch halb volle Packung Eistee. Keiner hier hat eine Fahne.

Im Krankenhaus bedanken sich der Reihe nach der Patient dann seine Freundin und schlussendlich auch der Einweiser bei uns für die schnelle und freundliche Hilfe.

Draußen stellen meine Kollege und ich fest, dass wir es sein müssten die sich bedanken. Die Jungs und Mädels haben unser Weltbild wieder etwas grade gerückt.

Danke!

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2 Responses to “Zeichen und Wunder”

  1. Chris says:

    Naja, solange einem die Schläge nur “angeboten” werden kann man ja immer noch ablehnen ;-)
    So ein dunkler Spielplatz in entsprechender Wohngegend wäre aber auch so ein typisches Szenario, in dem ich nur mit schlagbereiter MagLite unterwegs wäre.

    Und was hat der gute Junge nun gehabt?

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    RetterBlogger Reply:

    Wir haben auch immer brav dankend abgelehnt.

    Da die Verletzung völlig unspektakulär war (also für uns, für ihn sicher nicht) hätte das nur vom Kern der Sache abgelenkt. Der Bengel hat sich beim herum toben das Knie verdreht – Patellalux.

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