Retten mit Varieté

Kaum ist die Sonne mal zweit Tage am arbeiten, zieht es die Menschen ins Freie. Man kann ja fast alles draußen machen. Die beiden Herrschaften, die wir gestern bearbeiten durften hätten IHRE Party besser nicht im Stadtpark gefeiert. Aber dann wäre es für uns wohl nur halb so lustig geworden.

Kurz nach 15:00 Uhr werden wir in den Park geschickt Einsatz-Stichwort: „Hilflose Person“.

Na toll, diese Einsätze kommen auch immer früher. Kurz vor dem Notruf hatten wir noch uns noch Kaffee gemacht aus unseren neuen Kaffeemaschine.

Wir halten also erst mal am Parkrand auf einem Parkplatz (1. Fehler) um die Vegetation nicht mit unserem Sechs-Tonner zu verwüsten und  lassen uns von einem besorgten Bürger (der übrigens auch schon einen im Turm hat) durch den Park führen.

Da die „Hilflosen“ zu 99,9% zum RTW laufen (so lehrt es die Erfahrung) lassen wir die Trage im RTW (2. Fehler) und gehen nur mit der minimal Ausrüstung, einer kleinen Tasche mit dem aller notwendigsten, weit weit vom RTW weg. (3. Fehler)

Endlich deutet der Einweiser auf einen am Boden Liegenden. Neben ihm steht eine Kiste Bier. Eine Frau versucht sich mit der Kiste Bier auf den Weg zu machen. Dies scheitert aber daran, dass es sich offensichtlich um die zweite Kiste Bier handeln muss. Jedenfalls kann SIE sich kaum selber auf den Beinen halten, geschweige denn noch einen Kiste mit Bier schleppen.

Wir haben uns der Szene auf ca. fünf,  sechs Meter genähert als mir ein „Scheiße“ und meinem Kollegen ein „Du bist gefahren Du läufst“ entfährt.

Der Typ am Boden atmet nicht mehr!

Ich also im Stechschritt quer durch den Park zurück den RTW holen. Bei der Gelegenheit bestelle ich gleich noch ein NEF und die Leistelle antwortet „Hab keins frei“ – Herzlichen Glückwunsch!

Zurück bei den beiden Partylöwen ist mein Kollege damit beschäftigt ihm mit dem Beatmungsbeutel Luft zuzufächeln und auf sie einzureden.

Jetzt erkenne auch ich die Beiden. Beide sind bekannte Bonusmeilen-Sammler bei uns und bekommen seit kurzem Methadon. Während ich EKG und so was anbaue versucht mein Kollege weiter SIE davon zu überzeugen, dass sie das Bier nicht in Sicherheit bringen muss, weil wir im Dienst nicht trinken dürfen. Sie glaubt ihm nicht! Dafür hat SIE ihm verraten, dass die Beiden mit der Dröhnung des Bieres nicht zufrieden waren und sich als Bonbon noch die Wochenration (!) Methadon reingezogen haben. Bis dahin dachte ich immer, dass man das Tageweise unter Aufsicht konsumieren muss… Wie auch immer nun wissen wir warum ER nicht schnauft und SIE so neben der Spur ist. Ich bestelle  noch einen zweiten RTW.

Endlich hat SIE die Kiste mit dem Bier hoch bekommen wird aber leider Kopflastig und macht eine Rolle vorwärts. Die Falschen fliegen aus der Kiste. SIE sammelt fluchend auf allen Vieren die Flaschen wider ein. Und macht einen weiteren Anlauf die Kiste weg zu schleppen. Nun hat SIE sich zu weit nach hinten gebeugt und rennt mit dem Ding in der Hand rückwärts. Blöd nur, dass durch den Park ein kleiner ca. 1,5 Meter tiefer Graben führt. Dieser dient bei Hochwasser dazu das Wasser aus der Innenstadt abzuleiten und ist an Tagen wie diesen nur mit Schlamm ausgekleidet.

Da rückwärts Laufen nicht ihr Ding ist, zumal mit ‘ner Kiste Bier im Arm, lässt SIE die Kiste fallen was ihren Rückwärtsdrang beschleunigt. SIE stolpert durch den Graben und kommt genau im Scheitelpunkt auf der anderen Seite zum stehen. Auf einer schiefen Ebene stehen ist offensichtlich auch nicht ihr Ding. SIE verliert das Gelichgewicht und platscht der Länge nach in die Mitte des Grabens und fängt an zu schreien.

Da ich ihm mittlerweile einen Zugang in die Vena jugularis verpasst habe (was anderes war nicht zu finden) und ihn mittels Naloxon soweit wach gefixt habe, dass ER wieder alleine atmet, hat mein Kollege Zeit ihr aus dem Schlamm zu helfen. Zumindest versucht er es. SIE will sich nicht anfassen lassen. Nach dem Bepöbeln folgt der Versuch meinen Kollegen zu schlagen. Ok soll SIE doch alleine aufstehen. Ich bestelle die Polizei dazu und erfahre dabei gleich, dass unser NEF in ca. 20 Minuten bei uns ist.

SIE krabbelt jetzt aus dem Graben und versucht zu früh wider aufzustehen. Ihr erinnert Euch an das Problem mit der schiefen Ebene?! SIE schlägt jetzt rückwärts wieder lang in den Schlamm und ist nun flächendeckend panierte. Dafür hat SIE eingesehen, dass es mit dem Laufen nichts wird und krabbelt aus dem Graben und bleibt fluchend liegen.

Der besoffene Typ, der uns am Parkplatz abgeholt hat, hat Verstärkung bekommen. Er und ein Kumpel nutzen die Gunst der Stunde und klauen die Kiste Bier. SIE nimmt auf allen vieren die Verfolgung auf. Die beiden Diebe sind so besoffen, dass einer über seine Füße stolpert und beide hinfliegen.

SIE holt auf.

Eilig packen die Kleinkriminellen das Bier zusammen und können ihr Flucht fortsetzen bevor SIE sie erreicht. Am Eingang des Parks tauchen zwei Polizisten auf. SIE versucht den Polizisten mitzuteilen, dass SIE gerade beklaut wurde. Das scheitert aber ein einer Kombination aus ihrem Gelalle und der Entfernung zu den Beamten. Die Räuber biegen vor Schreck ungeplant ab und fliegen über ein Gebüsch und verschwinden dahinter.  SIE bricht heulend zusammen.

Und die Vorstellung ist vorbei.

Wir mussten uns auf Grund etlicher Zuschauer so das Lachen verkneifen. So was kommt nie wieder! Da bin ich sicher!

Schade :)

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One Response to “Retten mit Varieté”

  1. souly says:

    Wie geil ist das denn bitte??? Wahrlich ein Bild für die Götter … Wär’ ich nur dabei gewesen, Mensch! :D

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