Ich bin ein Verbrecher

Ja ich gebe zu: ich habe mich an meinen Mitmenschen versündigt!
Aber bevor jetzt alle mit dem Finger auf mich zeigen, will ich kurz erklären wie es dazu kam. Jeder Kriminelle kann in Deutschland die Ohrfeige,  welche er im Alter von 9 Jahren von seinem Vater bekommen hat,  weil er im Stehen in die Ecke der guten Stube gepinkelt hat, als strafmildernd anführen. Also erst lesen dann urteilen!

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Die ganze Geschichte beginnt schon im Januar diesen Jahres. Kollegen werden zu einen Kindernotfall in die Hans-Meier-Str. geschickt. Fieberkrampf, Kind nicht ansprechbar. Gut,  Eingeweihte wissen,  dass klingt erstmal dramatisch,  ist es aber meistens nicht. Aber man weiß ja nie…
Der RTW kommt also an. Nun ist die Straße eine recht lange Sackgasse mit kleinen Stichstraßen. Zur  Verkehrsberuhigung ist die schmale Straße vor jedem Hauseingang durch Parkstreifen auf 50 Metern so verengt, dass nur ein Auto drauf passt.

Die Kollegen halten also (welch Wunder) direkt vor dem Haus und machen damit die Straße dicht. Schon beim ausladen der Ausrüstung werden sie von dem Fahrer eines PKW angepöbelt und beschimpft. Die beiden kümmern sich nicht darum und gehen zu ihrem Patienten. Kurze Zeit später folgen  die Kollegen vom NEF. Nach kurzer Behandlung geht es dem Kind besser und es soll ins Krankenhaus gefahren werden. Die Kollegin nimmt das in eine Decke gewickelte Kind auf den Arm und los geht es.
Unten angekommen: ein Schock!  Der RTW ist weg! Nicht da,  verschwunden. Es war nun Winter und die Kollegen mussten mit der uralten Reservemühle fahren. Keine Standheizung,  keine Motorweiterlaufschaltung. Also läuft der Motor und der Schlüssel steckte,  gerade Kinder haben es gerne warm.

Naja, jedenfalls finden sie den RTW am Ende (!) der Sackgasse wieder, der Motor läuft noch. Da hatte jemand keine Zeit auf die Rettung zu warten und hat den RTW mal kurzer Hand 400 Meter weiter gefahren! Und keiner hat es gesehen und keinen macht es stutzig…

Da die Kollegen nur noch wage eine Autofarbe und Marke bestimmen können erstatten sie keine Anzeige. Grüner Golf.

So jetzt zu meiner Schandtat:

Vor ein paar Woche selbe Straße gleiches Problem. Ich halte vor einer Haustür -> Straße dicht!
Wir versorgen eine Dame, der es nicht wirklich gut geht aber überleben wird sie es wohl. Mein Kollege will aus dem RTW das Tragegerät holen als ich im 3. Stock lautes Gekreische vernehme. Nanu? Was denn da los? Als ich zum Fenster gehen will kommt mein Kollege schon wieder rein.
Er berichtet, dass der Fahrer eines froschgrünen, alten Golfes gerade dabei war, eine offene Tür am RTW zu finden und als der Kollege fragte was das solle, ging sofort das hysterische Gekreische los. Weder meine Kollege noch ich konnten auch nur ein Wort verstehen.
Ich schließe mein Fahrzeug IMMER ab, so hatte der Blödmann schlechte Karten.

Wir laden also die Dame ein und werden auf dem Weg zum RTW von dieser Vollblase weiter beschimpft: “Wichtigtuer, Idioten, rücksichtslose Arschlöcher”, um nur Einiges zu nennen.

Ein paar Tage später Ruft die Polizei bei meinem Wachenleiter an und erkundigt sich, wer an dem Tag diesen RTW gefahren hat. Man drückt mir das Telefon in die Hand:
Polizist: „Moin warst Du am 01.01. um 11.11Uhr in der Hans-Meier-Str. 999?“
Ich: „Ja, warum?
Polizist: „Hast Du Zeit vorbei zukommen? Da liegt eine Anzeige gegen dich vor wegen Nötigung.
Ich: „Das is ‘n Witz oder?
Polizist: „Ne isses nich. Da war so’n Typ da, der fühlte sich genötigt, weil du ohne Grund fast eine ganze Stunde die Straße blockiert hast.

Ich bin baff. Das meint der echt ernst! Also besorge ich mir von der Leistelle das Einsatztagebuch mit den Zeiten und wir fahren mal zwei Straßen weiter zu den Kollegen in Blau.

Da sitze ich nun. Ich, der sich an seinen Mitmenschen vergangen hat, indem er ohne Rücksicht auf die Mittagspause anderer die Straße blockierte. Ich schäme mich etwas.
Als ich also die Geschichte erzähle und ihm erstmal zeige, dass wir sage und schreibe 21 Minuten dort vor der Tür standen, nimmt der Herr von der Staatsmacht sein Telefon zur Hand und telefoniert mit dem im gleichen Gebäude sitzenden Staatsanwalt.

Oh Gott, jetzt werde ich verhaftet. Wie bei Babara Holt oder Alexander Salesch.
Der Herr kommt und ich soll die Geschichte vom Januar nochmal wiederholen und sagen welche Kollegen das waren. Dann werde ich mit den Worten: „Da machen sie sich mal keine Gedanken das klären wir schon mit dem Herrn [im Golf]“ entlassen.

Und wie die das geklärt haben. Die Anzeige gegen mich wurde erstmal eingestellt.
Dann habe ich gestern von einem Polizisten erfahren, dass der Typ bei seiner Vernehmung wegen der Geschichten so der artig ausgeflippt ist, dass er 1. alles zugegeben hat und 2. ohne Führerschein das Haus verlassen hat.
Man hat zusammen mit der Führerscheinstelle entschieden, dass jemand der sich so aufführt und im Verkehr so was von überhaupt keine Rücksicht an den Tag legt, nicht in der Lage ist, ein Kraftfahrzeug zu führen.
Er müsste jetzt gegen die Entscheidung klagen aber weg ist der Lappen erstmal bis zu einem Jahr und dann Idiotentest.

Ich sach ja Bananenrepublik Deutschland, da stell ich mich dreisterweise mitten auf die Straße, komm mit so einer blöden Ausrede von wegen Notfall und so und schwupps verlieht ein anständiger Bürger, der sich das nicht gefallen lassen will, seinen Führerschein…

PS: Da wir keine Hubschrauber fahren wird das auch nicht in die Zeitung kommen wir sind da ja viel zu unwichtig…

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9 Responses to “Ich bin ein Verbrecher”

  1. spottdrossel says:

    Witzig, grade heute haben wir uns in einem von der Stadt super geplanten Neubaugebiet gefragt, was da wohl los ist, wenn die Feuerwehr mal durch muß. Die Sträßchen sind schon mit einem PKW komplett dicht, und es gibt ja auch mal den Fall, das ihr nicht stehend blockiert, sondern gerne durch wollt und irgendein Spezialist mal ganz schnell rückwärtsfahren müßte… Die Stadt hat aber an der Zufahrt vom Wohngebiet einen schönen Parkplatz anlegen lassen, da könnten die Angehörigen ihre Patienten mit der Sackkarre hinbringen. Nur wie man das brennende Haus da hinschaffen soll, ist mir ein Rätsel.

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  2. stef says:

    Mach dir da mal keinen Kopf. Ist natürlich dreist, idiotisch und müsste m.E. mit Prügelstrafe bestraft werden. Wirds aber nicht. Vielleicht auch besser so.

    Es gibt so viele unglaublich verblödete und blasierte Mit-”Bürger”, da kann man als normaler Mensch wirklich den Verstand verlieren.

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  3. Verrückte says:

    kenn ich auch, die so kleinen straßen das net mal a RTW durchpasst -> wohn in einer! und dann solche Bürger *tztztzt*

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  4. Fischkopp says:

    Schöne Geschichte…
    Vor ein paar Jahren war ich in ähnlicher Situation, nur daß ich in einer Sackgasse geparkt habe und der Trottel hinter mir meinte, mich wüst beschimpfen zu müssen, statt einfach wegzufahren.
    Naja, die Patientin gab es durchaus her, den “kleinen roten” nachzufordern, zumal es ja danach aussah, daß wir nicht so schnell wegkämen. Grünweiß Hamburg (damals noch…) haben wir dann gleich mit anrücken lassen, und nachdem wir in schöner Reihenfolge (von hinten: NEF – Pöbel-PKW – RTW – Sackgasse) aufgereiht waren, konnte der Kasper auch nicht mehr weg. Kurz den Druiden instruiert, der den Ordnungshütern sehr dramatisch (hätte Schuspieler werden sollen…) eine akutest lebensbedrohliche Situation schilderte – und schwupps hatte der PKW-Fahrer (der noch immer am pöbeln und motzen war) die Hände auf dem Rücken.
    Übrigens hat’s für den freundlichen Herrn dann später 15 Monate auf Bewährung gesetzt – und eine Führerscheinsperre für drei Jahre.

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  5. Dickes Ding das!
    Habt ihr eignetlich kein Motorweiterlaufsystem? Ich kann nen Knopp drücken und dann den Schlüssel ziehen, der Motor läuft weiter. Tritt man jetzt auf irgend ein Pedal und hat den Schlüssel vorher nicht wieder reingesteckt, dann geht der Motor sofort aus.
    Schönes Feature das!

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    RetterBlogger Reply:

    Ich darf mich selber zitieren:

    “Es war nun Winter und die Kollegen mussten mit der uralten Reservemühle fahren. Keine Standheizung, keine Motorweiterlaufschaltung. Also läuft der Motor und der Schlüssel steckte, gerade Kinder haben es gerne warm.”

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  6. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil ;-)
    Sorry!

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  7. Chris says:

    Jaja, es gibt schon nette Mitmenschen. Die verstehen dann auch einfach nicht, dass das eventuell ein Notfall ist und man nicht unbedingt Zeit hat, Parkplatz zu suchen.

    Was ich in solchen Situationen dann immer gerne sagen würde ist “Gut gut, wenn bei ihnen demnächst etwas passiert kann es etwas länger dauern, da ich ja dann erst nen Parkplatz suchen muss!” Aber bei meinem Glück passiert das dann wirklich, dass es länger dauert und der Typ zeigt mich an wegen unterlassener Hilfeleistung oder so. Da hab ich ja dann auch keinen Bock drauf.

    Und wegen den engen Strassen: In der Stadt, wo ich vorher gefahren bin, gibts ein Altenheim, das am Ende einer Sackgasse liegt und nur über diese eine Strasse zugänglich ist. Und die ist dann so eng und kurvig, dass da gerade so der RTW durch passt. Was machen die denn bitte, wenns brennt??? Und am Anfang dieser Strasse liegt dann zusätzlich noch der Marktplatz, wo dann zum Weinfest oder Weihnachten noch irgendwelche Bühnen oder Buden die Zufahrt noch schwieriger machen. Aber das raffen die wirklich erst, wenn mal wirklich was passiert. Leider!

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